Tag 1 – Zürich > Beijing – Der Wahnsinn beginnt …

12 Aug

Morgens früh, halb Sieben in der Schweiz. Ein Wecker klingelt. Doch wir wollen noch nicht gleich aus den Federn und warten noch etwas. Schliesslich geht der Flug doch erst um Stunden später.

Doch schnell war die Zeit gekommen, in der uns Rogers Eltern dann abholten um uns zum Flughafen Zürich zu fahren. Wir hatten eigentlich vor gehabt ein Video von Tag 0 hochzuladen, doch da Roger unbedingt beste Quali auf Youtube haben wollte, konnten wir das dann zeitlich knicken.

Rogers Eltern kamen, wir huschten auf den Flughafen, erledigten alle Formalitäten und kamen reibungslos im Flieger an. Die Vorfreude war gross, die Menge an Chinesen im Flieger auch 🙂

Der Flug sollte zwischen 8 und 9 Stunden dauern. Also eigentlich nicht lang, wenn man die enorme Strecke betrachtet. Geflogen wurde über Russland, den Ural, über die Mongolei und dann runter nach Beijing.

Viel hatte man von oben nicht gesehen, schliesslich sind recht viele Wolken im Weg gewesen und wir flogen in die Nacht hinein. Allerdings konnten wir die Hauptstadt von der Mongolei erleuchtet sehen.

Unsere Beschäftigung im Flieger war „The Avengers“ schauen und schlafen und unterhalten. Das lastete die Zeit ziemlich gut aus. Roger konnte nicht so viel Schlaf finden, denn ihm war das zu unbequem. Ich faltete mich eben, so gut es ging, dort in den Sitz und hatte relativ angenehme Bettruhe.

Morgens um 3 gabs dann Frühstück. In der Schweiz war es ca. 21 Uhr…also für unsern Magen wohl noch Abendessen, nachdem wir kurz nach dem Start ja unser Mittag hatten waren schliesslich recht viele Stunden vergangen und man hatte durchaus Hunger. War trotzdem komisch…vor allem, um sich an die Ortszeit zu gewöhnen.

Die Landung war ähnlich schön, wie der Start, ein paar Turbulenzen gab es über der Stadt, denn es regnete leicht. Auf dem Flughafen wurde alles etwas zäh man hätte da auch Schneckenrennen machen können, die wären schneller gewesen. Drei Durchgänge für ich weiss wie viele Ausländer und selbst die Einheimischen mussten ewigst warten. Dort wurde unser Pass kontrolliert und mit einer Gesichtserkennung abgeglichen. Bevor wir dort hin sind, mussten wir noch durch Wärmesensoren, die wahrscheinlich Fieber oder irgendwas in der Art versucht haben heraus zu filtern. Kranke dürfen nämlich nicht so ohne Weiteres einreisen.

Das Gepäck hatten wir dann auch erhalten und unseren Fahren fanden wir auch ohne Probleme, denn er hatte einen Zettel mit unseren Namen darauf. Was er auch hatte, war Hektik. Er hatte wahrscheinlich erwartet, dass wir nicht so lange bei der doofen Passkontrolle hätten warten müssen. Zumindest düste er los, mit unserm Koffer, wir hinterher, rein ins Auto und los.

Und er zeigte uns, wie brutal gefährlich Chinesen Auto fahren O_o

HILFE!!!

Um das mal zusammen zu fassen:

  • Hupen: geschätze 100 mal, vor allem zum Drängeln
  • Rechts überholen auf der Autobahn: mindesten 3 Mal
  • langes Stück auf dem Seitenstreifen fahren (ohne Stau): einmal
  • Sich gegen einen stärkeren Bus zur Wehr setzen und somit seine Spur verteidigen: einmal
  • Spuren wahllos wechseln, jenachdem wo grad Platz ist: bis zur Vergasung…
  • dem Vordermann zu stark auffahren, damit der die Spur wechselt (und dazu evtl. noch Hupen und Fluchen): Auch sehr oft…
  • Rote Ampel überfahren: hin und wieder
  • armen Bauarbeiter, der über die Strasse wollte, fast überfahren: oh ja, der Kerl musste zurückspringen O_o
  • Fahrradfahrern klar machen, dass sie definitiv nicht die Starken auf der Strasse sind: auch oft

Wir wissen nun, warum Ausländer, besonders Europäer, kein Auto ohne chinesischen Führerschein fahren dürfen. Das ist die Hölle für jeden, der nicht lebensmüde ist. Man braucht da echt Augen überall.

Aber wir kamen gesund an und erhielten unsere Schlüsselkarte. Diese gilt als Zimmerschlüssel und als Stromkarte.

Zimmer im Bamboogarden Beijing

Unser Zimmer ist schön geräumig, hat wunderschöne Betten, ist recht sauber und wir haben immer gratis Wasser. Das einzige grosse Problem hier ist die Internetleitung. Die ist recht langsam und stückchenweise gar nicht vorhanden. Deswegen wirds Videos erst später geben und ein tägliches Tagebuch wird auch schwireig. Aber wir versuchen es 🙂

Blick aus dem Fenster in den Garten

Manche würden sich nach der Ankunft wahrscheinlich hinlegen und bis zumn ächsten Tag durchschlafen. Wahrscheinlich hatten wir deswegen auch kein Programm. Doch wir sind nicht wie andere…

…nö, wir sind tough und  besiegen den Jetlag. Also raus, Beijing auf eigene Faust erkunden. In der Tasche ein Reiseführer, Video- und Fotokamera und jeweils eine Flasche Wasser, da diese hier echt lebensnotwendig ist. Ausserdem hatte ich noch mein Chineisch-Deutsch/Deutsch-Chinesisch Wörterbuch dabei.

Zuerst wechselten wir Geld und wollten dann eine chinesische SIM-Karte holen, um unser Handy damit zu bestücken. Doch das gestaltete sich schon als schwierig. Die beiden Chinesen im Laden konnten nämlich nur Mandarin. Also wurde mit zeigen und deuten und Zeichensprache versucht solch eine Karte zu holen und das gelang auch. Die Karte war im Handy, doch SMS liessen sich nicht abschicken. Was also machten wir falsch? Wir gingen zum Hotel zurück, um dort zu fragen, doch die konnten sich das auch nicht erklären. Also konnten wir erst einmal unsere Chinesen nicht benachrichtigen.

Dass man zur Aktivierung der Karte erst einmal jemanden anrufen muss und das „Willkommen bie Telefongesellschaft xy“ hören muss, merkten wir erst im Laufe des Tages.

Tee und gratis Wasser jeden Tag

Der weitere Plan war dann, dass wir zum Beihei Park wollten. Dieser Park wird auch „Nordsee Park“ genannt und ist ein grosser ehemaliger kaiserlicher Garten mit einem riesigen See in dessen Mitte und in dem See einer Insel mit einem Höhlensystem, von Menschenhand gefertigt, sowie dem noblen Restaurant Fangshan und der weissen Dagopa.

Ich wusste in welche Richtung wir mussten und folgte meinem inneren Gespür.  Dabei kamen wir in einen Hutong, nachdem wir am Trommelturm vorbei sind. Dieses Huton hatte eine besondere Strasse, die auch mit einem Schild gekennzeichnet war. Hier lagen Geschäfte an Geschäften und alles so kleine niedliche Läden mit allerlei Krimskrams, den man als Besucher der Stadt, aber auch als Liebhaber kaufen sollte. Man sah sofort den ganzen Kitsch, der aber auch voll niedlich war. Zum Beispiel süsse Figuren, Seidenschale, Völgel in Käfigen (ja, echte :)), Schnitzereien etc. wurden dort feil geboten. Die Besitzer waren dabei nicht so, als würde man auf einem türkischen Basar sein. Man erkannte schnell, dass dies hier eher eine der typischen chinesischen Einkaufsstrassen ist, denn wir wurden so gut wie in Ruhe gelassen und nicht gleich in einen Laden gezerrt. Nur einmal wurde ich darauf hingewiesen, dass ich auch hinein sehen kann, aber da sah ich etwas besonders lange an.
Nervig waren dann die Rikschafahrer, die nach diesem Hutong uns förmlich belagerten. Bis zum Beihei Park mussten wir noch ein gutes Stück laufen und das immer durch so schöne schmale Gassen und an jeder Ecke hockten entweder alleine oder in Scharen die Fahrer und fragten uns, ob wir mit ihnen eine Hutongtour machen wollen. Wir lehnten mit einem „No no no no….“ ab und blieben stur dabei, dass wir die Dienste eines solchen Fahrers nicht annehmen wollten.

Tonkessel inmitten einer kleinen Anlage im Beihei Park

Dann waren wir auch schon beim Beihei Park, ohne es erst einmal zu merken. Ein grosses Tor, worein Menschen strömten, ein Ticketverkäufer rechts davor und sonst viele chinesische Zeichen. Beim Ticketstand las ich dann Beihei Park und da wollten wir ja hin, also 20 Yuan bezahlt und rein in die gute Stube. Der erste Eindruck war bombastisch, denn ein grosser See schimmerte uns entgegen und es gab viele Chinesen, die in diesem Park so alles mögliche taten, was man so tun konnte. Essen, schreien, laufen, spielen, singen, tanzen, sitzen, Boot fahren, Kalligraphie auf den Boden zeichnen, Fotografieren, sich ums Baby kümmern, Geld in Wasserpötte werfen, das Glück erkaufen und es dann an Bäume hängen und noch viel mehr gehören zum Beschäftigungsbereich im chinesischen Park. Wir liessen uns treiben und genossen die Atmosphäre, bestaunten einige Bauwerke und liefen uns die Hacken wund, um dann festzustellen, dass die eine Seite, die wir gewählt hatten, keine Brücke zur Insel hatte und nur Fähren dort hin fuhren oder wir und ein Boot hätten mieten müssen. Als ich die Pagodenfähre sah, war es recht schnell beschlossen, wie wir auf die andere Seite des Sees gelangen sollten. Nämlich genau damit und 10 Yuan (zwischen 1 -2 Franken) pro Person sind auch voll ok dafür. Die Überfahrt war schön, aber auch viel zu kurz 🙁 Aber eine Fähre ist nunmal kein Rundfahrtenschiff, also raus aus dem Kahn und auf die Insel. Auf der Jadeinsel (Qionghua Dao) erblickten wir sofort den Eingang zum Restaurant, wollten aber trotz Hunger dort nicht hinein. Dort hätte man nur grosse Menüs essen können und zwar wie zu Kaisers Zeiten, was uns für den Anfang einfach zu viel erschien.

Könige des Ostens und des Südens

 

Der lächelnde Buddha im Beihei Park

Wir besuchten stattdessen den Vorplatz der Dagopa, waren aber nicht drinnen, dann die Höhlen mit den 60 Drachen inkl. der 12 Tierkreiszeichen als Statuen in Menschenform als kleine Statuen und dann liefen wir zur Brücke, die uns weiter zum Ausgang brachte. Dort angekommen schlängelten wir erst einmal durch ein paar kleine Gassen mit Läden welche Wasser, Früchte und Brote verkauften. Von dort fiel unser Blick sofort auf einen Langhalssaurier in einem weiteren Park und waren erstaunt. Durch Zufall hatten wir den Jiangshan Park gefunden, in den ich ebenfalls wollte. Also auch dort Eintritt brav bezahlt, noch fix Wasserflaschen gekauft und hopp zu den Dinos. Ganz niedlich, vor allem für Kinder, aber irgendwie auch für mich. Ich mag Dinos sehr und mal wieder einen kleinen Dinopark zu sehen, war schon nett. Vor allem bewegten sich einige von ihnen auch noch, nicht realistisch, aber hey, war ja auch für Kinder.

Im Park war auch jede Menge los, den darin gelegenen Kohlehügel mit der Pagode haben wir noch nicht besucht, haben es aber noch vor, denn von da aus kann man bei gutem Wetter und wenig Smog schön weit über Beijing sehen.

Wir verliessen den Park dann aus dem Südtor (waren im Westen hinein gegangen und am Osttor vorbei). Von dort aus liefen wir an der verbotenen Stadt vorbei bis zum Wanfujing, eine Einkaufsstrasse von Beijing, in der vor allem Departmentstores und offizielle Kaufhäuser waren. Dort kann man nicht handeln, eigentlich, aber ich handelte mit einer Verkäuferin um mein Kleid und bekam es um einiges günstiger, als sie es mir zu Beginn angeboten hat. Aber noch immer recht teuer für chinesische Verhältnisse. Die angegebenen Preise waren recht hoch, aber in China gibt es auch eine Luxussteuer, die den offiziellen Preis recht hoch treibt. Hier gibt es nämlich den Unterschied zwischen staatlich festgelegten Preisen und Preisen, bei denen man feilschen kann. Letztere findet man eher auf Märkten, nicht aber gross in Touristenshops.

In der gleichen Strasse, die ab den grossen Kaufhäusern zu einer Fussgängerzone umfunktioniert wurde, assen wir auch die traditionelle Beijing-Roast-Duck, also im Grunde Pekingente. Die Haut war richtig cross geröstet und hatte selten labbriges Entenfett daran. Man geniesst die pure Haut mit ein wenig Zucker darauf. Man bekommt übrigens auch den Kopf der Ente. Wir bestellten einen halben Roast-Duck und bekamen daher auch einen halben Kopf. Man konnte da richtig reinsehen und zum Beispiel das Auge, aber auch die Knochenstruktur erkennen. Die Ente war lecker, wenn man die chirurgisch von der Ente getrennten Scheibchen mit Frühlingszwiebellauch in platte Pfannkuchen einwickelte. Ein gutes,kleines Abendbrot für uns und das war dann auch das Ende des Tages, denn Roger war voll fertig und bei mir schlich sich auch die Müdigkeit ein, resultierend aus dem wenigen Schlaf im Flieger. Gelaufen waren wir zudem zig Kilometer, denn von 10 bis ca. 20 Uhr waren wir zu Fuss unterwegs gewesen.

Zurück ging es mit der Metro Linie 1, dann Umstieg zu Linie 2 bis Goulu Dajie und dann ein kleines Stück zum Hotel laufend. Wir duschten noch, fielen ins Bett und waren fertig für den Tag.

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3 Antworten zu “Tag 1 – Zürich > Beijing – Der Wahnsinn beginnt …”

  1. avatar
    Cela 16. August 2012 at 20:08 #

    Nice nice. 😀
    Ziemlich viel erlebt für den ersten Tag. ^^
    Das mit der Ente erinnert mich ein wenig ans Grillieren von neulich, als Yuu und ich bei Tisch einen Fisch „seziert“ haben und damit der Hälfte der Gäste den Appetit verdorben haben. XD

    Bin mal gespannt auf den weiteren Verlauf der Reise.
    Btw. die Hauptstadt der Mongolei heisst Ulan Bator.
    *stolz ist, dass ich das noch weiss*

  2. avatar
    Iris 17. August 2012 at 03:33 #

    Wer uns gern was zu den Blogeinträgen hinterlassen will, der möge bitte einen Kommi druntersetzen 🙂 Bilder der anderen Beiträge folgen noch, sobald diese beabeitet sind und wir wieder stabiles Internet haben…

  3. avatar
    Maja 17. August 2012 at 13:12 #

    Super dein Bericht und deine Energie ! das ist man grade dabei und
    kann e sich vorstellen.
    vielen Dank und wünsche euch noch ganz tolle Ferien weiterhin !

    liebe Grüsse
    Maja Hort

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