Tag 7 – Beijing – Buddha und die Söhne des Drachen

18 Aug

Zuerst fuhren wir zum Lamatempel, welcher nur 2 Haltestellen der U-Bahn von unserer Station entfernt lag. Mit dem Auto kam es uns unlängst weiter vor. Auf der Strasse zum Tempel kann man zig Kram kaufen, der für Buddhisten wichtig ist. Vor allem Räucherstäbchen, die hier günstiger sind, als im Tempel. Wir waren, und das konnte man sehen, dieses Mal nicht so die bevorzugte Kundschaft. Es gab sehr viele Chinesen hier und es kauften auch viele ihre Stäbchen, die man mit verschiedenen Gerüchen und in unterschiedlichsten Grössen vorfinden konnte.

Unser Guide erklärte uns, dass das Kloster deswegen so wichtig für Chinesen ist, da dort etwas vorgefallen ist, was sonst nirgendwo passiert, oder was sehr selten für China ist. Der Kaiser schenkte  seinem 4. Sohn dies als Wohnhaus. Normalerweise wird ja der erste Sohn Kaiser, doch der Kaiser liess ein Testament von seinem 4. Sohn schreiben, dass der 14. Sohn den Kaisertitel bekommen sollte. Da änderte der 4. Sohn das einfach ein klein wenig ab und machte sich selbst somit zum Kaiser. Dieser gebahr dann einen Sohn in diesem  geschenkten Wohnhaus und dieses Kind wurde ebenfalls Kaiser. Insgesamt gab es in ein und dem selben Wohnhaus drei Kaisergenerationen und das ist für Chinesen total toll. Der dritte Kaiser sagte dann auch, dass dies kein Wohnhaus mehr sein dürfte und schenkte dies dann den Buddhisten als Tempel. In diesen Tempel pilgern auch viele Tibetbuddhisten und die zwei chinesischen Lhamas (Daleilama und Bantailama) besuchen ihn ebenfalls.

Wir fanden den Tempel richtig toll und die Meinung unseres Guides, dass der nur klein ist, war etwas untertrieben. Man konnte da gut durchlaufen und die Zeit totschlagen und eine Menge Buddhisten, auch in typischer Mönchstracht beobachten. Natürlich war das Gelände nicht so riesig wie die verbotene Stadt oder so, aber als sehr klein würde ich das auch nicht bezeichnen. Wenn ich Buddhist wäre, würde ich wahrscheinlich auch zu den unterschiedlichen Buddhas dort beten und für sie Räucherstäbchen anzünden.

Das Mittagessen war übrigens komisch, mal wieder. Wir fuhren sehr weit in ein Restaurant, welches eindeutig für Touristen war, wurden dort vom Personal an einen Tisch gesetzt und vergessen. Sehr sauber wars da auch nicht. Bei Roger klebte ein totes Insekt am Rand des Teeschälchens, Tee gabs ey nicht, obwohl kostenloser Jasmintee eigentlich ziemlich normal ist. Aber auch sonst war der Tisch recht dreckig, dafür, dass es ein teures Restaurant für Touristen war. Auch als ich mich später mit dem Guide unterhalten hatte, hatte er gemeint, dass er billigere Essen von uns getrennt isst,denn Guides sind nicht mit in der Verpflegung mit eingerechnet. Schon irgendwie doof. Aber wenn wir kochen, werden wir wohl alle gemeinsam das Essen geniessen 🙂 Vielleicht auch der Fahrer.

Zu Essen gab es recht gut schmeckendes Rind in einer Pfeffersauce, die sehr fettig war, und Schwein im süssen Teigmantel, sowie Broccoli, den wir schon vom Sichuanrestaurant kannten und der dort um Längen besser geschmeckt hatte, als jetzt in diesem.

Dann fuhren wir noch einmal ein gutes Stück bis zum Sommerpalast und liefen da ein wenig herum. Wir lernten, dass der Kirin hier noch die Fähigkeit hat Ehrlichkeit und Treue zu erkennen und deswegen vorm Gebäude für Staatsgeschäfte steht. So musste jeder Beamte erst an ihm vorbei, ehe er zum Kaiser vorgelassen wurde.

Der Kaiser selbst hatte wenig Macht, seine Mutter hatte mehr. Das sah man auch an den Gebäuden. Die Mutter hatte das grösste und geschmückteste Wohngebäude und auch die Parkanlage war ihr geschenkt. Zum 60, von ihr selbst (aus Staatsgeldern).

Als wir den Wandelgang mit vielen chinesischen Bildern entlang gingen, erkannte ich einige der historischen Szenen von Romance of the three Kingdoms und zwar Lübu und Diao-Chan, sowie einige Szenen von Reise nach Westen mit dem Mönch und Son Gokuo. Unser Guide war überrascht und wurde dann sogar noch von einem anderen Guide, der gerade ein paar Japaner begleitete, angesprochen, dass auch dieser total überrascht sein, dass ich mich so gut mit chinesischer Geschichte auskenne…Ich wurde leicht rot und fragte meinen Guide, ob das so selten sei und er bejate dies. Viele Touristen haben mal was drüber gehört, versuchen dies aber nicht zu verstehen. Hah, da fühlte ich mich etwas stolz :3

Dann haben wir noch das Marmorschiff dort gesehen und ich sah dort zwei junge Leute malen. Ich sprang zu ihnen rüber und schaute mir deren Malerei an, denn sie begannen eine Brücke in Wasserfarben zu malen. Unser Guide sagte ihnen, dass ich auch Künstlerin bin und dann erkannten wir, dass wir beide englisch sprechen und wir kamen ins Gespräch, was recht lange dauerte. Netter Kerl der eine, der in Amerika zur Schule geht, in Beijing geboren wurde, dann nach Honkong zog und nun erst vor nichtmal 6 Monaten wieder in Beijing zurück ist. Für ihn hat sich seit seiner Kindheit in Bejing verdammt viel verändert. Kaum wieder zu erkennen, sagte er. Er will später Architektur studieren, eines der Traumstudiums neben Germanistik von jungen Chinesen. Ich zeigte ihm eine Zeichnung von mir und er war begeistert und vielleicht meldet er sich ja und wir können in Kontakt bleiben, denn meine Email hat er schonmal 🙂

Den Tag liessen wir dann mit einem kleinen Bummel in Wanfijing ausklingen. Wir schauten im Buchhandel für Ausländer vorbei,fanden da die Bücher, die ich schon ewig suche und eine Sprachsoftware, kauften diese aber noch nicht.

Gleich zu Beginn hatten wir auch noch Scammer, ein Pärchen sprach uns an, scheiss freundlich und aufs Geradewohl. Sie fragten uns folgendes: „Where are you from?“ und gleich im Anschluss, da wir nicht drauf reagierten: „How long have you been here?“ Diese zwei Fragen, also wo wir her kommen und wie lange wir hier bleiben, die die Standardfragen von Betrügern, die ahnungslose Touristen in teure „Kunstausstellungen“ und Teehäuser locken. Sie können sehr gutes Englisch und sind stets recht freundlich. Davor wird viel im Internet gewarnt und lustigerweise hatten unsere beiden komplett das Standardprogramm drauf 🙂 Also null Chance, uns in ihre Falle zu zerren. Wir haben uns darüber ein wenig amüsiert. Als sie merkten, dass wir sie permanent ignorieren, auch nachdem sie uns einige Meter gefolgt waren, liessen sie von uns ab und warteten auf den nächsten möglichen Fang 🙂

Auch fanden wir dort den Olé-Supermarket, ein kleiner Markt für Essen und Co mit recht teuren Produkten, da alles Markenwaren waren und vor allem auch europäische, japanische, amerikanische und was auch immer für Produkte dort in den Regalen lagen. Wir haben für unsere Verdauung etwas nützliches geholt, nämlich Mehrkornbrot 🙂 Ausserdem fanden wir dort in der Oriental Plaza noch einen Laden, der frische Croissants verkaufte und ich musste unbedingt ein Mehrkorngipfeli versuchen 🙂 Es schmeckte fast wie unsere, hatte aber sowas wie Honig noch drüber. Schmeckte also süsslich 😉

Dann fielen wir ziemlich geschafft ins Bett und schauten noch ein wenig chinesisches Kinder TV. Ganz witzig, vor allem, weil wir dem ganz gut folgen konnten, ohne Chinesisch zu können 🙂

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