Tag 12 – Beijing – Auf zwei Rädern durch die Enge der Hutongs

23 Aug

Wir haben diesen Tag einfach mal zum Ausruhen gedacht, wenig laufen, dafür trotzdem etwas sehen. Doch erst einmal war das Einkaufen dran, denn wir wollen natürlich leckeres Zeugs mit in die Schweiz bringen. Schliesslich solls bei der Teeverkostung auch was zum Beissen geben 🙂

Und da waren wir dann, im Einkaufszentrum, welches wir den Tag zuvor entdeckt hatten. Der Wahnsinn konnte beginnen und er hiess Iris 😛 Denn ich brauchte natürlich jede Menge für meine Küche also Einkaufskorb geschnappt und mit nörgelndem Roger hinten dran durch die Regale gewuselt und dies und das in den Korb gepfeffert. Natürlich immer drauf achtend, dass nichts mit Fleisch oder tierischen Produkten darin landete. Bei manchen Sachen ist das sogar recht einfach, denn auf manchen standen die Inhaltsstoffe in englisch drauf. Anderes wird einfach mal frech als Süssigkeiten abgestempelt, da sollte es auch keine Probleme geben, denn beim Backen etc. sind ey die ganzen Sachen schon abgetötet.

Also O-Cake rein in den Korb, sowie einige Süssigkeiten, Kekse und Chips, aber auch Sossen oder Gewürzpasten.

Der Korb war ziemlich voll und wir standen an der Kasse, wie viele andere auch. Bei zig Millionen Chinesen in der Stadt plus einiger Touristen steht man doch recht lange an der Kasse und es wird noch längst keine, wie bei uns üblich, neu aufgemacht. Nö, da wartet man geschlage fünfzehn Minuten trotz nur 5 Personen vor einer, weil die Kassiererin ne absolute Schnarchnase ist und echt jeweils pro Produkt ne Minute braucht, um das einzulesen. Arbeitsablauf war wie folgt: Produkt aus dem Korb nehmen, dann anschauen, als wenn eine Brille nötig wäre, dann an den Scanner halten, je nachdem wie der reagierte, entweder noch hin und her schaukeln, oder aber dann in den Korb legen, oder aber feststellen, dass der Scanner nicht will, mal bei Kasse hinter ihr testen, obs funktioniert, obwohl da grad rebootet wird oder auch von jemand anderem das Zeug eingelesen wird und dann endlich mal Nummer eintippen, die unterm Barcode steht. Der letzte Schritt dauert dann ca. 5 Minuten… Service wie: „Oh, das ist nicht ausgepreist, ich schau doch gleich mal, wie teuer das ist“ gibts nicht, weswegen ein paar der Leckereien leider an der Kasse verweilen mussten *schniff* Tjaja also auch der Einkauf kann ein Erlebnis sein.

Dann entdeckte ich noch etwas im Erdgeschoss,nämlich chinesische Pinsel und kaufte da auch welche. Beim Bezahlen sah die Frau dort an der Kasse, wieviel ich unten im Supermarkt bezahlt hatte und meinte, dass ich da sogar noch nen Stift gratis bekäme.. Ja,toll, warum nicht 🙂
Der ganze Einkauf waren ürigens um die 170 Yuan, das sind nicht mal 30 Euro. Und das für einen Einkaufskorb voll Gewürze,Pasten, Nudeln, Süsskram und Getränke. In der Schweiz hätten wir für diesen Einkauf knapp so 100 Franken hingeblättert 🙂

Dann gings mit voller Tüte zurück zum Hotel, wo wir kurz entspannten und überlegten, wo wir am Abend essen wollten. Wir entschieden uns nach Konsultierung unserer Reiseführer,der Karte und des Internets für einen Vietnamesen in der Nähe, der unter anderem auch Frühlingsrollen zu bieten hatte. Er soll recht gut sein, vielleicht ein wenig teuer, aber besser als die Restaurants in der Umgebung. Na mal schauen, denn wir haben ja mitlerweile einige interessante Dinge erlebt. Hier in Beijing bekommt man übrigens nicht direkt Frühlingsrollen. Das, was wie eine aussieht ist gefüllt mit Bohnenbaste und süss. Das schmeckt denen hier, mir sind die herzhaften Rollen aber lieber.
Eigentlich wollten wir was Kleines zum Mittag mampfen, doch als wir am Restaurant unseres Hotels vorbei gingen, hatten wir gar nicht gross Hunger oder Apetit, um dann dort hinein zu gehen. So gingen wir lieber zur Lobby und fragten, ob wir Fahrräder ausleiehen durften. Zwei Drahtesel für zwei Stunden kosten 10 Franken, also 60 Yuan. Wir prüften die beiden Räder auf ihre Tauglichkeit, also ob genug Luft drauf war, ob die Bremsen funktionierten und ob es nicht eierte und alles schien ok zu sein. Nur beim Treten quietschte das von Roger extrem und unsere beiden Räder eierten bei der Kette ein wenig. Aber nichts sprang raus, also los, auf zu den Seen.

Wir fuhren hinab und wählten dann eine Strasse, die wir immer nur überqert hatten. Diese fuhren wir entlang und ich hatte anfänglich etwas Angst, dass mich die Autofahrer nicht für voll nehmen. Meine eine Bremse war doch etwas lasch (Vorderrad) und ich verliess mich mehr auf die hinten. Auch hatten wir keinen Helm, noch irgend einen anderen Schutz, sondern nur eine Klingel. Doch nach ein paar Metern war ich dann schon sicherer unterwegs und so fuhren wir zu einem See westlich vom Houhai-See. Die Fahrt durch die engen Gassen der Hutongs war sehr interessant. Man sah, wie es dort aussah und wie die Menschen hier teils lebten. Manchmal richtig schöne Häuser mit grossen, toll geschmückten Eingangstoren und danaben dann kleine, oft sogar baufällige Hinterhöfe, vor denen eine Menge Unrat lag. Arme und Reichere nebeneinander. Die Mauern der einzelnen Wohnhäuser und Innenhöfe hielten neugierige Blicke und Nachbarn fern, trennten auch Unrat von Sauberkeit und Arm von Reich.

An dem See, welchen wir umrundeten, angelten sehr viele ältere Männer mit richtig grossen Angeln. Man hätte meinen können, sie seien auf Haifang oder so. Nach dem See fuhren wir durch weitere schmale Gassen, wieder in Richtung bekanntere Gebiete und kamen dann mit Rikschafahrern auf eine Spur. Denen trotteten wir einfach mal hinterher und kicherten, weil wir ja unsere gaaaanz eigene Hutong-Tour hatten. Das Fahrradfahren war auch nicht so anstrengend, denn wirkliche Steigung gabs hier nicht. Also waren auch keine Gänge nötig. Wir kamen dann an den Houhai See und den anderen, der noch direkt angrenzte. Hier entdeckten wir dann auch gleich den Vietnamesen, den wir dann am Abend testen wollten. Unsere Fahrt war an diesen Seen mehr Stop-and-Go, denn wir vergassen oft, dass wir ja nun eigentlich stärker waren als Passanten und die Klingel dazu da war, um wie ein echter Beijinger zu wirken. Aber ich fand es nicht schlimm, auch wenn Roger deswegen hin und wieder nörgelte. Er wäre wohl lieber gerade, menschenleere Bereiche gefahren, doch das fand ich weniger interessant.
Bei einer Stelle, da wo wir mit Ying durch die Bar-Bereiche des Sees geschlendert waren, konnte man nicht mit dem Rad durch. Man durfte nicht mal schieben. Das war zum Schutz der Passanten da, sonst würden wohl auch freche Rikschafahrer da durch düsen. Wir umrundeten das via Strasse und begaben uns dann zurück zumHotel, denn es war langsam Zeit, die Räder wieder abzugeben.

Es war schon ein Erlebnis und es ist durchaus empfehlenswert, sich mal ein Rad zu leihen und durch die Strassen zu pesen. Allerdings sollte man da immer aufpassen, denn in Beijing achtet niemand auf Räder. Da kann man also schnell mal über ein Auto, welches aus der Seitenstrasse kommt, drüber fliegen, Fussgänger umfahren, die mal frech auf die Strasse hüpfen oder hinter parkenden Autos vor kommen, gegen Türen von Autos knallen, die einfach so geöffnet werden, nachdem der Radweg auf der Strasse einfach mal als Parkstreifen missbraucht wird, plötzlich bremsenden Autos hinten rein fahren, weil sie vor einem rum ziehen und dann stark bremsen und natürlich der Klassiker: bei grünen Ampeln einfach mal von anderen Autos überrollt werden. Wenn möglich, sollte man übrigens die Hotelräder mieten, denn an manchen Ständen, die auch Räder verleihen, bekommt man diese meist teurer, ausser man verhandelt gut. Auch da ist es wichtig die Qualität des Rades vor Fahrantritt zu testen, nicht dass man dann auf der Hälfte der Strecke plötzlich vom Asphalt abgekratzt werden muss.

Nach der Radtour haben wir uns dann ins kleine Teestübchen im Hotel gepflanzt und etwas entspannt, SMS getippt und Postkarten beschrieben. Auch der Text ist dort grösstenteils entstanden. Hier steht auch der W-Lan Router des Hotels und der ist nicht gerade ein leistungsfähiges Gerät. Ich habe noch immer hier kein Netz, obwohl wir schon Stunden hier sitzen und Pistazien fressen, weil die Restarants grad Pause haben und wir noch bis Abends ausharren müssen.

Der Abend gestaltete sich dann doch etwas anders, als erwartet. Bei mir hatte ein Mückenstich eine merkwürdige Form erreicht und als wir Richtung Vietnamesen gingen und an einem Zeckenplakat vorbei kamen,auf dem wegen Boreliose etc. gewarnt wird, sah ein Fleck dort nahezu wie meiner aus. Roger war der Meinung, dass wir das lieber von einem Arzt untersuchen lassen sollten und das nächste Abenteuer wartete nicht lange.

Wir gingen nicht zurück zum Hotel, obwohl die uns wahrscheinlich besser hätten helfen können, sondern fanden auf unserem Stadtplan ein Internationales Touristenhospital. Also wollten wir dort hin, weil sie da sicherlich englisch könnten.

Fürs Taxi liessen wir uns in einer Apotheke schnell die chinesischen Letter aufschreiben und fanden recht gut auch ein Taxi. Für 14 Yuan gings dann zum Krankenhaus und wir stiegen aus. Skepsis machte sich bei uns breit, denn das Donzhimen Krankenhaus war zwar für Touristen im Plan ausgewiesen, nur wir sahen nichts englisches. Erst drinnen gab es Schilder, die chinesisch und englisch beschriftet waren, sodass man zumindestdie Registration etc. sehen konnte. Die war zu.

Also versuchten wir es bei der Kasse, wo Leute sassen und fragten, ob hier wer Englisch kann.Sie lachten und sahen uns wie Schafe an. Dann unterhielten sie sich untereinander und giggelten, bis dann ein junges Mädel, wahrscheinlich dort in Ausbildung, sich unserer annahm und uns dann in ein anderes Gebäude führte. Da war es mit englischem Wissen auch nicht besser. Wir schafften die Anmeldung, die 5 Yuan kostet, warteten dann in der Notaufnahme und wurden dann von einer Ärztin gefragt, was ich für ein Problem habe. Auf Chinesisch und als sie merkte, dass sie mit mir Probleme haben könnte, versuchte sie wieder einen Arzt zu finden, der englisch kann.

Plötzlich kamen zig Ärzte, um mich standen dann 5-6 Leute rum, die alle auf meinen roten Fleck beim Mückenstich sahen und dran rumdrückten und wahrscheinlich Vermutungen anstellten, was das nun ist. Dann holten sie noch jemanden hinzu, der sich das auch nochmal ansah und der wohl dann auch die Enddiagnose stellte, die da lautete: Sind uns nicht sicher, nimm mal Antibiotika und Antihistamin…

Erm joa…ich wollt eigentlich ja nur wissen, ob ich das weiter beobachten sollte, oder ob ich mir ernsthaft Sorgen machen müsse….

Auf jeden Fall war der Besuch des Krankenhauses recht spassig und die 8 Franken Behandlungs- und Medikamentengebühr waren das mal wert 😀 Ausserdem denke ich, dass es wohl wirklich nur eine allergische Reaktion auf etwas ist.

Weniger erfreulich war dann der Moment nach dem Krankenhaus, nämlich bei der Taxisuche zurück. Erst hatten wir ewig keins bekommen, dann hielt einer an, holte seinen Tee aus dem Kofferraum und versuchte mit uns um den Preis zu verhandeln. Wahrscheinlich hatte er Feierabend gehabt und gedacht, dass er uns doch mal noch abzocken könne. Er bot uns an für 80 Yuan zu fahren. Wir meinten „Nein, only Taxometer!“ Er sagte daraufhin: „No Taxometer!“ Und wir lehnten strickt ab, denn eine Fahrt zu unserem Hotel kostet von dort inklusive Stau nur 20 Yuan. Ein weiteres Taxi lehnte ab uns dort hn zu fahren, denn entweder kannte er den Weg nicht, trotz chinesischer Adresse zu unserm Hotel, oder er wollte einfach nicht in den Stau dort geraten. Da ist immer welcher.

Schlussendlich fanden wir einen Taxifahrer, der zustimmte uns zu fahren, nachdem wir ihm gezeigt hatten, wo auf derKarte das Hotel liegt. Erschien die Strasse auch nicht zu kennen, doch wir kannten uns ja aus und das schien er zu verstehen.

Also wurden wir nach Hause gebracht. Danke, lieber Taxifahrer… Wenn wir hätten Trinkgeld geben können,was in China ja nicht üblich ist, hätten wir dir sogar 25 Yuan gezahlt 🙂

Auf Grund diesen Ärgers hatten wir aber keine Lust noch einmal zum See zu laufen und endlich den Vietnamesen auszuprobieren und so assen wir noch einmal ein bisschen was Unbekanntes in unserm Hotel.

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